Geschichte

Aus der Pfarr- und Ortsgeschichte von Tschirn

Herkunft des Ortsnamens: Tschirn = quellenmäßig auch Schirn, Zirn,oder Zschirn geschrieben, ist wohl zweifellos ein slawischer Name, dervom tschechischen cerny = schwarz abgeleitet ist und etwa Schwarzwald, Ficht- oder Tannenwald bedeutet.

Die Gründung des Ortes an der "Hochstraße" Kronach - Lehesten alseiner der kürzesten Verbindungen ins Thüringsche vollzog sich um die Jahrtausendwende in der Ausbauzeit des Geschlechtes der Steinbergernebst der Schweinfurter Grafen von Henneberg. 1187 (bereits mit Kirche) noch im weltlichen Besitz derer von Schaumberg, wurden 1276 die Güter von Schirn (Tschirn) und Pressans und die Kirche in diesen Eigengüterndem Kloster Langheim abgetreten. 1388, am 18. Dezember, ging das Eygen Teuschnitz mit 31 Orten, darunter auch Tschirn mit dem Patronatsrecht nebst den dazugehörenden Siedlungen Hois, Priesterich und Oßla durch Kauf an das Hochstift Bamberg über. Tschirn gehörte von 1388 bis 1803, der Säkularisation, zum unbestrittenen Besitz des Fürstbistums Bamberg, dann ging es an das Königreich Bayern über.

Der um die Mitte des 14. Jahrhunderts wütenden Pest fielen die Einwohner von Hois und Priestrich samt und sonders zum Opfer. Die Orte erloschen.Die Gebeine der ausgestorbenen Ortschaften Hois und Priestrichruhen auf dem hiesigen Kirchhof, wo ehemals beachtliche Hügel den Ortbezeichneten.

Um 1414 machten die Bürger Tschirns regen Gebrauch von der bereits 1234 erlassenen "Bergwerksgerechtigkeit". Erz wurde abgebaut, verhüttet und in Waffenschmieden verarbeitet. Damals zählte der Ort 152 Familien mit 600 Einwohnern, 84 Häusern, einem Pfarramt, Schule und einer Pfarrkirche, Revier- und Forstwartei, einer Mahl- und 2 Schneidmühlen mit Waffenhammer. Von Tschirn gegen Nordwesten auf dem Wege nach Rappoltengrün 400 – 500 Schritte von Tschirn soll ein Schloß gestanden haben, wo man deutlich den Graben sehen kann. Nach einer nicht näher bezeichneten unsicheren Quelle, liegt eine Wiese zwischen einem Wässerlein und dem Heiligenholz. Die Nutznießung dieser Wiese war einst dem Schulmeister überlassen. Sie wird Mordsümpfe, später Mordseite genannt. Am Anfang dieser Wiese, auf dem Hammerberg soll dieses Mord- oder Raubschloß gestanden haben, von welchem keine Überreste mehr vorhanden sind. Dieses Schloß stand auf der Anhöhe an dessen Fuß der Dober vorbei fließt, wo noch ganz deutlich ein durch Kunst aufgeworfener Damm zu sehen ist und wo ein Waffenhammer gestanden haben soll.Ausgegrabene Schmiedeschlacken beweisen die Wahrheit.

Längs der "Hochstraße" herrschte reger Handel. Verschiedentlich zogen Kaufleute auf ihr von Nürnberg nach Leipzig. In der Zeit der Hussiteneinfälle wurden den Bewohnern Kontributionen (Klerikalabgaben) zur Ausrüstung eines Heeres gegen die Feinde auferlegt. 1524 kehrte Graf Heinrich von Thüna der Mutterkirche den Rücken und veranlaßte die Gläubigen bis zur Wasserscheide zum Abfall. Oßla, ein ansehnlicher Ort, liegt im Preußischen, welcher ehemals zur Pfarrei Tschirn gehörte. Währendder Reformationszeit er sich losriss und nun selbst lutherisch und der protestantischen Pfarrei Wurzbach, samt seiner Filialkirche beigegebenist.

Der 30-jährige Krieg verschonte Tschirn nicht. 1632 wurde Pfarrer Johann Cuno im Pfarrhause von einem schwedischen Soldaten ermordet. Der Pfarrer soll sich als Metzger verkleidet haben, wurde jedoch, als er die heiligen Geräte vor den räuberischen Landsknechten schützen wollte, erkannt und niedergemacht. Die Bauern rächten den "merttrer von Tschirn", sie verfolgten seinen Mörder und erschlugen ihn im Grunde zwischen Tschirn und Rappoltengrün. Der Sage nach geht heute noch die arme Seele des Schweden zu nächtlicher Stunde um. - Für das Heimatfest 1957 hatte der Kronacher Heimatdichter Andreas Bauer (Bauern-Andres) diese Vorgänge zu einem Theaterspiel unter dem Titel "Von Not und Tod und schwerer Zeit" verarbeitet. Es wurde von einer Tschirner Laienspielgruppe unter Regie des Autoren auf dem freien Platz vor dem Pfarrhaus aufgeführt.

In der Folgezeit des 30-jährigen Krieges suchten Rinderpest, Ruhr, Typhus und Blattern die Menschen arg heim. Mißjahre, Teuerung und Unwetter brachten immer wieder große Not.

Am früheren Ortsteich, bei Hs.Nr. 97 fand sich zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen die Sandsteinfigur des Hl. Nepomuk. Sie trägt im Sockel die Inschrift:

"Johan Hader schmittmeister von Tschirn und die sämhdliche Gutt thäter haben zur Ehre Gottes und des He Johann von Nepomuc diese bildnus setzen lassen. Ano 1774"

Die Statue wurde 1995 nach einer Renovierung an einen neuen Standort – Abzweigung Eckstraße – Kronacher Straße versetzt.

Von der gleichen Art steht etwa 100 m nördlich der Pfarrkirche ein Vesperbild, die Muttergottes, den vom Kreuz abgenommenen Christus haltend. Diese Sandsteinfigur war einst bemalt. 1803 wurde das Eigentum des Hochstifts Bamberg dem Königreich Bayern übereignet.

Am 7. Dezember 1868 vormittags um 9 Uhr brauste urplötzlich ein Orkan aus Nordwest über den Ort. In wenigen Minuten richtete er an Dächern und Kaminen viel Schaden an. Am heftigsten aber hat er in den Waldgebieten gewütet. Auch im Revier Tschirn gab es arge Verwüstungen, manche Abteilungen wurden total ruiniert: Hammerberg, Tiefgründlein, Äcker, Knock, Herleinsgeräum, Vorholz, Grundberg, Alte und neue Teichswand, Kohldiegel, Gallageräum, Wirtsberg, Großer und kleiner Mäubeutel, Hühnerkamm, südliche und nördliche Röttersleite. Die angefallenen Windbruchhölzer bezifferten sich auf 35 000 Meter Klefftern. Auch der hiesige Stiftungswald wurde arg mitgenommen.

Von 1865 – 1868 erbauten sich die Tschirner ihre heutige gotische Pfarrkirche. Sie birgt neben wertvollen Kleinodien, mehreren Holzfiguren, die älteste ist wohl die stehende Muttergottes um 1500, 4 Altarbilder, Kreuzweg und vier Evangelisten von Kunstmaler Lorenz Kaim, Kronach, sowie eine (auch heute noch) wohlklingende Steinmeyersche Orgel.

Ernste Sorgen bereitete stets die Erschließung von Arbeitsmöglichkeiten. Land- und Forstwirtschaft und Heimarbeit boten stets nur ein Existenzminimum. 1894 wurde eine Schiefertafelindustrie gegründet. 1902 wanderte sie nach Nordhalben ab. Die Versuche 1923/34/38 Schiefervorkommen abzubauen, scheiderten.


Mehr finden Sie in den Chroniken aus der Festschrift "125 Jahre FF Tschirn" und "Tschirn im Frankenwald – Eine Gemeinde erinnert sich – 1276 – 2001".

Download Chronik aus der Festschrift "125 Jahre FF Tschirn" (PDF-Datei, ca. 2,5 mb)

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